Wie "billig" ist billig?


Salo für Lisa

Autor: Erich Salomonowitz / Ausgabe: 2007-04

Ein Essay über den Anschaffungspreis eines Hundes …

An der Universität Innsbruck treffe ich anlässlich eines Statistik-Kurses einen alten Bekannten, einen wohlhabenden, recht gebildeten, umtriebigen Geschäftsmann, etwa 35 Jahre alt, aus Zentraldeutschland. Er hat sich gerade einen großen Bauernhof gekauft und hergerichtet. Alles ist da. Kleinvieh, Großvieh, Frau und Kinder, Apfelbäume, Gemüsegarten und jetzt – ganz neu – ein Hund. Ein Rhodesian Ridgeback, jetzt sieben Monate alt, aus „dem Osten".

„Wenigstens war er billig!", erklärt er auf meine Frage, was der Hund so tut. Er war billig, war die erste Mitteilung. Da kam ein Händler aus Tschechien mit Hunden und Katzen zusammengepfercht im Anhänger, und da hat er sich den Hund herausgeholt. Der kleine Kerl hat ihm gefallen. Und war billig.

Stellt sich heraus: der Hund kackt jetzt schon fünf Monate in die Wohnung und draußen nur am Asphalt, weil er nie eine Wiese kennen gelernt hat. Stellt sich heraus: der Hund ist im Alter von vier oder fünf Wochen von der Mutter getrennt worden und dann einige Zeit im Zwinger vom Herrn Händler gewesen. Stellt sich heraus: der Hund ist ziemlich verstört. Ein vielleicht nicht-erziehbares Tier, das vor lauter Traumatisierung mehr Probleme macht, aber, O-Ton: „bis er groß ist, wird es schon gelingen, ihn zu erziehen".

Nun frage ich mich, wie einem Hund, der monatelang in die Wohnung kackt und der am Asphalt macht, weil er keine Wiese kennt, die Software repariert wird. Und wie viel Mühen und wie viel Zeit in diesen Hund investiert werden wird, um ihn erziehbar zu machen. Denn das ist der Punkt dieser Diskussion: „Wie billig sind die Leute, die sich als Erstes beim Hund nach dem Preis erkundigen?!"

Kinderstube und Charakter des Hundes sind durch nichts zu ersetzen. Das wissen wir alle. Ist nichts Neues. Und es kalkulieren sich die Kosten beim Hund ähnlich wie die Kosten beim Motorradfahren. Die Maschine selbst ist das Billigste. Man darf berechnen: einen Euro pro Kilometer für Benzin, Öl, Reifen, G´wand und Opportunitätskosten, weil man doch extra noch ein Auto braucht und womöglich ein Begleitfahrzeug. So ist die Kostenträgerrechnung der Maschine nur ein verschwindender Teil in der Motorradvollkostenrechnung.

Ähnlich ist es beim Hund. Der Anschaffungspreis des Hundes ist ein nur geringer Teil der Kosten des Hundes. Viele können den Hund nicht mit in die Arbeit nehmen und brauchen eine Hundeomi, um den Hund drei Stunden täglich zu bewegen. In dieser Zeit könnte man ganz andere Dinge tun. Weiters: Futter, Liebe, Reinigung, eine Anpassung im Auto, Urlaub, Hotel, Bahnkosten (z.B. neun Franken für den Hund im Rucksack in der Gondelbahn!), Arzt und Versicherung, die Hundezeitschrift, Bücher zur Hundesprache und fürs Training. Was fällt uns noch so ein?! Das Geld, das man für den Hund selbst hinlegt, verschwindet in der Hunde-Vollkostenrechnung. Und der Ertrag: Häufchen
(plus Kosten für die Entsorgung und die tapfere Polizei fürs Strafmandat).

Deshalb tut es weh, zu beobachten, dass gebildete Menschen beim Anschaffungspreis des Hundes knausern. Im Gegenteil, man sollte nur den besten Hund und nur vom besten Platz kaufen. Und lange überlegen. Wir könnten unsere Ehepartner ebenso gut aus dem Prospekt wählen, wenn wir die gleichen Kriterien anlegten wie für unser Tier.

Es gab einen Züchter für weiße Pudel in Wien, der seine Preise hatte. Wenn man seine 1.000–1.300 Euro für einen Pudel durchleuchtet hatte, kam einem die Erkenntnis, dass gerecht kalkuliert war. Das Zuhause, das Futter, der Tierarzt, die Entwurmung, die Zeugnisse, der Chip, das Dekret, der persönliche Einsatz, die 24/7 Zuwendung, die Veterinär-Universität und dass man einen perfekten Hund kriegt. Er hat seine Pudel zurückgekauft, wenn sie schlecht behandelt wurden! Wenn reinrassige Osthunde um zwischen 50 und 200 Euro angeboten werden, will ich ihre Kinderstube, ihren Charakter, ihre Erziehung, ihre Neurosen und ihre Traumata nicht näher kennen. Nur wenn wir diesen Leuten die Hunde nicht abnehmen, werden sie keine mehr produzieren.

Ich empfehle Ihnen den teuersten Hund, den Sie nur kriegen können. Dann haben Sie zumindest, wenn schon keine Garantie, so doch eine statistisch kalkulierbare Option, einen guten Hund zu bekommen, mit dem Sie viele Jahre Freude haben, und kein verstörtes Tier, das Ihnen monatelang in die Wohnung kackt, obwohl es billig war.