Ein Grund für die zum Teil empörten Reaktionen von WUFF-Lesern ist die weiterhin sehr intensive Werbung in diversen Hundezeitschriften und anderen Medien, wo immer noch – trotz des Dementis des Lizenzgebers Reif gegenüber WUFF – eine Einnahme von 3.000 Euro und mehr in Aussicht gestellt wird (früher sogar von 4.000 Euro und mehr monatlich!), was gutgläubige und unerfahrene Interessierte in eine fatale Abhängigkeit als Lizenznehmer locken könnte. Dass solche Summen völlig illusorisch sind, kann jeder bestätigen, der sich als Hundetrainer selbständig gemacht hat, denn die Konkurrenz ist riesengroß, so dass von solchen Traum-Einnahmen niemals die Rede sein kann.
In einigen der Anzeigen dieser „Mobilen Hundeschule", in denen auch – europaweit! – freie Mitarbeiter gesucht werden, wird sogar eine 100%ige Erfolgsgarantie für die „Erziehungskurse - Verhaltenstherapie – Aggressionsbehandlung" gegeben, was lt. Hundeexperten völlig unrealistisch, diese Aussage daher unseriös ist. Lizenznehmer könnten auf solche Versprechen he-reinfallen, u. U. sogar gefördert von unerfahrenen Arbeitsagenturen, so dass der finanzielle Ruin die Folge sein kann …
Andere „mobil" arbeitende Hundetrainer sehen sich durch solche Praktiken in ihrem Ruf gefährdet. Tatsächlich aber sagt die Mobilität natürlich nichts über die Qualität des Unterrichts und die Qualifikationen des Trainers aus, sondern nur darüber, wo gearbeitet wird – nämlich nicht nur auf dem Hundeplatz. Im Folgenden Auszüge aus einigen Leserbriefen.
Nicht jede mobile Hundeschule arbeitet so! Durch solche Geschäftspraktiken von „Die mobile Hundeschule", wie sie in dem Artikel recherchiert und beschrieben wurden, kommen zahlreiche, auf andere Weise arbeitende mobile Hundeschulen in Verruf. Und was genauso schlimm ist, durch die utopischen Einkommensversprechungen des Lizenzgebers werden falsche Hoffnungen bei Leuten geweckt, die sich in Wirklichkeit gar nicht für Hunde, sondern nur für das Geld interessieren. Auch ich habe mich vor 1 1/2 Jahren mit einer mobilen Hundeschule selbständig gemacht. Meine Ausbildung bei ATN dauerte jedoch 2 1/2 Jahre und endete mit einer schulinternen Abschlussprüfung, durch deren Bestehen ein Diplom erworben wurde. Diese Ausbildung stellte für mich lediglich eine Ergänzung zu meiner jahrzehntelangen hobbymäßigen Erfahrung aus der Arbeit mit Hunden dar. Leben ließe sich zur Zeit noch nicht davon. Das war aber auch nie mein Beweggrund. Wenn es mir um Geldverdienen gegangen wäre, dann hätte ich meinen ursprünglichen Beruf „Bankkauffrau" nicht aufgegeben. Ute Dissemond 53919 Weilerswist
„In zehn Stunden zum perfekten Begleithund?" Über eine Begegnung der eher seltsamen Art berichtet Mario Schlebe aus Aarbergen-Panrod in Rheinland-Pfalz.Glücklicherweise blieb es bei ihm nur bei einer Schnupperstunde, eher „Leerstunde" als Lehrstunde …
Über eine Zeitungsanzeige bin ich auf die „Mobile Hundschule Rhein-Main" aufmerksam geworden, in der es hieß: „In zehn Stunden zum perfekten Begleithund, ohne Leckerli und andere Hilfsmittel". Auf meine telefonische Anfrage, ob ich nach zehn Stunden dann eine Begleithundprüfung mit meinem Hund ablegen könnte, hieß es plötzlich schon deutlich zurückhaltender: „Begleithundprüfung nun nicht gerade, aber er zieht dann nicht mehr an der Leine und folgt Ihnen freiwillig überall hin und interessiert sich nicht mehr für andere Dinge." Wir vereinbarten eine kostenlose Schnupperstunde bei mir. Der sich als Trainer bezeichnende Mann kam bei mir an, und ich zeigte ihm erstmal, wie mein Hund bei mir läuft. Mein Problem war lediglich, dass er von Zeit zu Zeit seine Aufmerksamkeit auf ihm kurzzeitig wichtigere Dinge als mich lenkte. Dann übernahm er meinen Hund und stellte nach einigen Metern fest, dass der Hund als erstes ein Kettenhalsband und eine feste Leine brauche, „weil er ja gar nichts am Hals spürt". Er lief zum Auto, um die besagten Dinge zu holen. Zum Glück hatte er aber nur eine Lederleine und kein Kettenhalsband dabei. Asco, mein Hund, wurde also aufgerüstet, und er lief mit meinem Hund los. Natürlich ging mein Hund nach vorn und zog an der Leine. Es folgte ein heftiger Leinenruck und gleichzeitig ein Schlag mit der Lederleine auf den Rücken. Ich machte dem „Trainer" sofort unmissverständlich klar, dass ich solche Techniken nicht dulden würde. … Danach lief er noch eine Weile mit dem Hund kreuz und quer über die Wiese, immer in entgegengesetzte Richtung des Hundes, was nach einer Weile seine Aufmerksamkeit hervorrief. Es erfolgte aber keinerlei Lob oder Bestätigung für den Hund. Ich könnte ja mit den Leckerli weiterarbeiten, wenn ich es möchte, „das schadet sicher nichts". Dann war die „Leerstunde" zu Ende, und ich fragte – aus reiner Neugier, denn für mich war dieses Abenteuer schon abgeschlossen – nach dem Preis für das „Zehnstundenpaket". Da ich bei den genannten 300 Euro nur mitleidig lächelte, bot er mir sofort an, „da Sie scheinbar ein skeptischer Mensch sind", es auch für 150 Euro zu machen, da dieser Hund es auch sicher schneller lernen würde. … Inzwischen weiß ich, dass ich meinem Hund durch mein sofortiges Einschreiten beim ersten Leinenruck viel Leid erspart habe. Mario Schlebe 65326 Aarbergen-Panrod
Mobile Hundeschule: Cash für den Franchisegeber Die WUFF-Recherche über die Praxis der „Chiemgauer Hundeschule" rief sogar in Luxemburg Reaktionen hervor. „Geht es dabei um Hunde oder eher um den Franchisegeber?" fragt Diane Piron aus Luxemburg.
Ich habe mir überlegt, ob es bei dieser mobilen Hundeschule echt um die Hunde geht oder vielmehr um den Franchisegeber. Zur Zeit dürften etwa 65 Leute bei ihm als Lizenznehmer sein. Jeder hat bei dem „Oberchef" erst einmal seine Ausbildung bezahlt. Ob dieser auch die Qualifikationen dafür hat, kann ich auf seiner Homepage nirgends erkennen. Weiterhin nehmen wir mal an, jeder Trainer muss monatlich nur 100 Euro Lizenzgebühr zahlen. Dafür geht wahrscheinlich erst mal ein Teil an die so genannten „Obermaster" ab, die in ihrem Gebiet auch wieder Leute anwerben können, denke ich mal. Dann finde ich das schon ein einträgliches Geschäft, zumal außer der Trainerausbildung auch noch Welpen verkauft werden und andere Gewerbe ausgeübt werden. Viele Orte auf der Liste sind genannt, aber sicher schon wieder leer, weil da sicher schon Trainer aufgehört haben, die bestimmt keine 4.000 Euro im Monat verdient haben … Wenn man sich da keine Gedanken über Hundeausbildung machen muss …? Und wie heißt es auf seiner Homepage: „Hundetrainer sorgfältig ausgewählt". Da frage ich mich, wie es möglich ist, dass plötzlich nicht nur Hundeunerfahrene in einem Monat zum Top Hundetrainer werden, nein, 12-jährige Kinder und erwachsene Leute, die gestern selber noch Probleme mit ihrem Hund hatten, sind in einem Monat plötzlich „ausgebildete, erfahrene" mobile Hundetrainer … voller Tatendrang und natürlich für jedes auftretende Problem gewappnet! So was finde ich einfach nur krank! Diane Piron und Tom Schroeder 8478 Leischen, Luxemburg
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