Liebe Leserin, lieber Leser!
Hunde und Hundehalter gehören in diesen Wochen und Monaten zu den Hauptthemen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, wie schon lange nicht mehr. Ausgangspunkte der Diskussionen sind zumeist der für Halter einiger Rassen verpflichtende Wiener Hundeführschein und/oder das NÖ Hundehaltegesetz. Eigentlich hätte ich erwartet, dass Hundehalter und die verschiedenen Hundeverbände nun alle an einem Strang ziehen. Leider ist dies nicht der Fall.
So begrüßt der Österreichische Gebrauchshundesportverband (ÖGV) in einer Presseaussendung die Einführung des verpflichtenden Hundeführscheins in Wien für einige Rassen und fordert darüber hinaus sogar die Führscheinverpflichtung für ALLE Hundehalter.
Als Herausgeber dieses Magazins und zugleich Präsident des kürzlich gegründeten Österreichischen Hundehalterverbandes (ÖHV) wurde ich mit Mails und Anrufen sowohl von WUFF-Lesern wie auch von ÖHV-Mitgliedern bombardiert. Ich möge doch eine klare Stellungnahme zu dieser ÖGV-Forderung einer Zwangsverpflichtung aller Wiener Hundehalter abgeben. Dabei war die Position des ÖHV zu diesem Thema bereits online (www.hundehalterverband.at) und unterschied sich auch nicht von der Meinung der WUFF-Redaktion, wie sie seit Herbst immer wieder dokumentiert wird.
Im Einklang mit Wissenschaftlern und Experten ist es unsere Position, dass verantwortungsloses Verhalten von Hundehaltern – der Ausgangspunkt aller Diskussionen – nicht durch Prüfungen und einen Hundeführschein geändert werden kann. Psychopathisches Verhalten lässt sich nämlich nicht durch Hundetrainer ändern! Warum sollten verantwortungslose Hundehalter, von denen wir alle uns ja distanzieren, plötzlich ein Verantwortungsgefühl bekommen, nur weil sie einen Hundekurs machen? Die Hauptursache eines schlechten Verhaltens ist doch nicht mangelndes Wissen, sondern ein problematischer Charakterzug. Nochmals: Was sollte ein Hundeführschein daran ändern? Und überhaupt haben die Wiener Behörden schon seit 1.1.2010, seit Inkrafttreten der österreichweiten Chippflicht für alle Hunde, die Möglichkeit, relevant auffällige Hundehalter zu registrieren und ggf. zu maßregeln. Dafür braucht es also ebenfalls keinen Hundeführschein.
Sowohl in meiner Funktion als Herausgeber von WUFF als auch in der als Präsident des ÖHV will ich nicht verhehlen, dass ich über die Stellungnahme des Österr. Gebrauchshundesportverbandes zum Wiener Hundeführschein enttäuscht bin. Natürlich verstehe ich die damit verbundenen Absichten, und ich halte es auch für nützlich und wichtig, Hundehaltern gute Angebote für die Hundeausbildung zu vermitteln. Auch wir unterstützen und fördern Wissen, welches das Zusammenleben mit unserem vierbeinigen Gefährten verbessert. Aber wir wissen alle, dass Zwang eine schlechte, und vor allem keine nachhaltige Lernmethode ist, wie uns die Psychologen lehren. Ich halte daher den vom ÖGV geforderten Zwang eines Hundeführscheins für ALLE Wiener Hundehalter gegen unser aller Interessen als „ganz normale“ Hundehalter gerichtet.
Dass es bei vielen Hundehaltern Aufklärungsbedarf gibt, ist unbestreitbar. Interessant gestaltete Informationsangebote auf hohem Niveau, die dann auch gerne angenommen werden, sind der richtige Weg – nicht jedoch Zwang. Es gibt gute Hundetrainer, auch im ÖGV, die sich vor Zulauf kaum erwehren können. Manche unbedarfte Hundeschule könnte von ihnen lernen, anstatt zu hoffen, durch Zwang „Schüler“ zu rekrutieren. Schreiben Sie mir bitte, wie Sie darüber denken! Viel Freude mit dem neuen WUFF! Es grüßt Sie ganz herzlich Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber, und Bruno, der WUFF-Redaktionshund
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